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Pizza 2


Ach Kinners, kaum löscht man einmal sein Facebook-Profil, schon bekommt man nix mehr mit. Da beendet das Kind einfach so seine Ausbildung und keiner sacht wat. Herrje.

Also, nicht mein Kind. Himmel, nein. Aber mein kleines Lästerschw… Schwesterlein darf sich jetzt hoch-offiziell Floristin nennen, meine werten Herren und Damen Geschworene! Wenn dit mal nix is.

Da gratulieren wir hier in der Hauptstadt doch mal ganz kräftig und wenn ich mal wieder bei euch im kühlen hohen Norden weile, stoßen wir darauf an, n’est past, ma petite sœur ?

So, und wie komm ich jetzt von Floristik möglichst geschickt zu Pizza?

Gar nicht.

Aber jetzt geht’s um Pizza (ja, ich bin die Heldin der Überleitungen).

Ich bin ja nun keine Italienerin. Wirklich nicht. Ich war auch noch nie in Italien. Ich hab auch keine Italiener in meinem Bekanntenkreis. Aber wenn ich manchmal so sehe, was hierzulande als Pizza bezeichnet wird, dann möchte auch ich in Tränen der Verzweiflung und der Qual ausbrechen.

Es ist ja so furchtbar.

Liebe Leute, ein dicker Hefeboden belegt mit Schinken + Salami + Tunfisch + Mais + Paprika + Zwiebeln + Pepperoni + wasweißichnichtnochalles ist KEINE Pizza. Mit viel Wohlwollen kann man das einen herzhaft belegten Hefekuchen nennen, aber keine Pizza! Hach, ich krieg schon wieder Sodbrennen.

Soll ich euch mal zeigen, wie das geht? Also passt mal auf.

Pizza

Für ein Blech

Zutaten Teig:

–          250ml handwarmes Wasser

–          450gr Weizenmehl

–          20gr frische Hefe

–          Ca. 1 TL Salz

–          1 EL Olivenöl

–          1 Prise Zucker

Und nicht mehr. In einen Pizzateig gehört keine Milch, keine Eier, keine Butter und auch sonst nix. Niemals. Streicht das sofort aus euren Köpfen.

Bei dem Mehl streiten sich übrigens die Geister, am besten wäre es natürlich, man nimmt italienisches Weizenmehl, aber versucht mal, das hier aufzutreiben. Also nehmen wir notgedrungen deutsches Mehl der Type 405.

Schritt 1:

Mehl in die Schüssel (in die GROßE Schüssel), Salz und Zucker dazu und gut vermischen. Hefe im Wasser auflösen, so ca. 10 Minuten stehen lassen und zusammen mit dem Öl in die Schüssel kippen.

Knethaken in den Mixer und drauflos geknetet. Schön lange. Irgendwann beginnt der Teig, sich vom Schüsselrand zu lösen und formt sich freiwillig zur Kugel – weiter kneten.

Nach etwa 10 Minuten sollte das dann so aussehen:

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Diesen Teig gebt ihr jetzt zurück in die Schüssel, wo er es sich bitte recht schön gemütlich macht, gebt ihm noch was zu lesen oder so und deckt ein Handtuch drüber, dann stellt ihr die Schüssel an einen ruhigen, nicht zu kalten Ort und vergesst sie für zwei Tage.

Ja, ich sagte zwei Tage.

Ich mach keine Scherze. Nicht, wenn es um Pizza geht.

Der Teig geht am Anfang recht schnell auf. Bei mir sah das nach zwei Stunden schon so aus:

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Und nach weiteren zwei Stunden so:

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Und am nächsten Morgen sollte euch so etwas begrüßen:

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Erinnert ihr euch an den Apfelkuchen? Der Hefeteig ist nicht so stark aufgegangen, weil er im Gegensatz zum Pizzateig Fett enthielt. Hier könnt ihr also richtig schön den Unterschied zwischen leichtem und schwerem Hefeteig sehen.

Nach zwei Tagen dann also dürft ihr euch wieder dem Teig nähern. Wenn er eine dünne, harte Kruste bekommen hat, ist das nicht weiter schlimm. Verhindern könnt ihr das, indem ihr das Handtuch über der Schüssel immer schön feucht haltet. Ist aber nicht zwingend notwendig.

Befördert den Teig auf eure Arbeitsfläche. Unter der Kruste sollten große Poren erkennbar sein, so in etwa:

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Und es sollte säuerlich, leicht vergoren riechen. Das ist kein Grund zur Panik, sondern völlig in Ordnung. Genau so soll das sein.

Knetet den Teig nochmal mit den Händen durch. Ihr werdet Mehl benötigen, sonst klebt’s. Nur aufpassen, dass ihr nicht zuviel Mehl in den Teig einarbeitet.

Und dann ausrollen. Und zwar dünn. Ich will keine dicken Hefeböden sehen. So dünn soll das:

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Es gibt Leute, die beherrschen diese ganze Teig-durch-die-Luft-wirbeln-Geschichte, ich gehör nicht dazu. Ich kann zwar Crepes durch hochschmeißen wenden, aber diese Pizza-Sache, das muss ich dem Italienern überlassen. Ihr dürft es natürlich trotzdem versuchen.

Diesen dünnen Teig verfrachtet ihr jetzt auf euer mit Backpapier ausgelegtes Backblech. Das könnte n bisschen schwierig werden, der Teig ist recht weich, aber man kriegt’s hin.

Und nun belegen wir.

Und da bitte ich um Bescheidenheit. Wir machen Pizza, kein All-you-can-eat-Buffet. Ich persönlich weigere mich, mehr als drei verschiedene Zutaten zu verwenden, keine Chance. Also entweder Schinken ODER Salami ODER Tunfisch. Und es heißt Pizza, nicht Gemüsegarten. Ein wenig mehr Zurückhaltung, wenn ich bitten darf.

Aber zunächst einmal: Die Tomatensoße.

Ich hatte gestern nicht so viel Zeit, deswegen gab’s bei mir die schnelle Variante: gestückelte Tomaten aus der Dose mit Tomatenmark im Verhältnis 1:2 vermischen und auf den Boden streichen. Wenn man mehr Zeit hat, lohnt es sich allerdings, ein schönes Sugo zu kochen. Desweiteren rate ich wirklich, Dosentomaten zu verwenden, es sei denn, ihr habt einen Garten mit frischen Tomaten, die tatsächlich mal sowas wie Sonne gesehen haben. Ansonsten: Dose, bevorzugt San Marzano-Tomaten.

Und auch nicht zu dick auftragen, sonst weicht euch alles durch:

Alles so hübsch rot hier...

Alles so hübsch rot hier…

So, und darauf kam dann gestern bei uns Tunfisch (versucht sowas mal in Anwesenheit von zwei Katzen… warum hat meine Küche eigentlich keine Tür??), Zwiebeln und Mozzarella. Wenn ihr Büffelmozzarella bekommt, nehmt ihr natürlich den, ist klar. Und wenn ich auch nur das Rascheln einer Tüte fertig geriebenen Analog-Käses erahne, dann hau ich denjenigen mit dem Nudelholz, versprochen. Bei sowas brech ich ja zusammen.

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Ich hab dann noch etwas frischen Oregano drüber gestreut, das muss man aber nicht.

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Der Ofen wird auf mindestens 250°C vorgeheizt. Wenn eurer höhere Temperaturen schafft – umso besser. Und erst, wenn der Ofen wirklich, wirklich heiß ist, schiebt ihr eure Pizza rein.

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Dann noch schnell Pfötchen waschen und den Tisch decken, nach 15 Minuten maximal ist unsere Pizza nämlich schon fertig.

Und so kommt sie dann aus dem Ofen :)

Und so kommt sie dann aus dem Ofen :)

So. So geht das. Und ich möchte jetzt nie wieder mit dem Anblick von zentimeterhohen Zutatenbergen auf dicken Kuchenböden gequält werden, biiiiiiiitteeeeee.

Lasst euch nicht stören, ich sabber nur ein wenig...

Lasst euch nicht stören, ich sabber nur ein wenig…

Lasst euch lieber das hier schmecken:

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O sole miooooooooooo….

 


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2 Gedanken zu “Pizza

  • Tommy

    Buon giorno Anna, zuerst einmal muss ich Dich zu Deiner erfrischend andere Art des Schreibens gratulieren!
    Nur wundere ich mich sehr, was Du für einen großen Backofen zu haben scheinst: Wenn ich mit 450 g Mehl Pizzateig mache, bekomme ich da drei Bleche raus. Und zwar jede Pizza bis fast zum Rand des Bleches.

    Kann es sein, dass auch Deine Pizza ein „dicker Kuchenboden“ ist? ;-)

    • Anna Clarisse Beitragsautor

      Hi Tommy,
      danke für die Blumen (und den Honig) :)
      Eigentlich wird mein Boden nicht sehr dick, nein… ich hab nicht nachgemessen, aber nach dem Backen ist der bestimmt keinen ganzen Zentimeter hoch. Der Teig geht nach dem Kneten und Ausrollen nicht mehr sehr auf, das meiste Volumen sind halt Gase ;) Und – das hab ich vergessen, zu schreiben – der gesamte Teig reicht tatsächlich für ein wenig mehr als ein Blech. Aus dem Rest mach ich meistens Pizzabrötchen, man könnte aber auch zwei größere, runde Pizzen machen. Hätt ich erwähnen sollen, mea culpa. Und beim nächsten Mal mess ich den Boden mal nach ;)