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Chinois


„Sag mal, Schatz, wann bist du eigentlich so eine Spaßbremse geworden?“

„10.07.1999, elf Uhr vormittags.“

„Ach, auf einmal kennst du unseren Hochzeitstag.“

Achtung, ein Sicherheitshinweis: Die Witze fliegen heute sehr tief.

Und darf ich euch mal eben mein Leid klagen? Es ist wirklich schlimm, versprochen. Schrecklich, quasi.

Man hat mich meines Sinns beraubt. Ja. Ohne Quatsch. Mein Lebensinhalt, mein Anker, mein Fels in der Brandung. Nun steh ich hier mit leeren Händen und starre in den Abgrund, der sich Existenz nennt, gelähmt vom Gefühl der Ohnmacht und Abgeschoben ins Reich der Nutzlosigkeit.

ICH DARF NICHT BACKEN DIESES WOCHENENDE!!!

Ist das denn zu fassen?

Kann man es glauben?

Ich dreh noch durch, im Ernst, so muss sich ein kalter Entzug anfühlen. Ich bin schon ganz nervös. Was mach ich denn jetzt bloß die ganze Zeit?

Der Grund für meine Verbannung aus diesem herrlichen Raum namens Küche? Ich hab am Montag Geburtstag und traditionell übernimmt im Zuge dessen mein Gatte die Herrschaft über mein Reich, um eine Geburtstagstorte zu zaubern. Man höre und staune. Ich mein – der Mann hat es fertig gebracht, einen Topf irreparabel zu zerstören, weil er sich Tomatensoße aufwärmen wollte, aber seine Torten sind immer fantastisch. Okay, er braucht auch mindestens 18 Stunden, und das gedämpfte Fluchen und die Kampfesgeräusche lassen mir immer das Blut in den Adern gefrieren, aber bis jetzt war die Küche anschließend immer wieder verräterisch sauber und ordentlich. Ich bin mir sicher, da ist Hexenwerk im Spiel.

Naja, und ich darf dann nur noch ausgewählte Schränke und Türen öffnen.

Und nicht backen.

Verdammt.

Gott sei Dank hab ich vorgesorgt, deswegen gibt es jetzt erstmal ein Stückchen

Chinois

(Quelle: http://www.chefkoch.de/rezepte/1915931312213630/Franzoesischer-Chinese.html)

Zutaten für den Teig:

  • 500gr Mehl (ich habe Type 405 verwendet)
  • 60gr Zucker
  • 100gr Butter
  • 1 Ei
  • 200ml Milch
  • 1 Prise Salz
  • 21gr frische Hefe (also ein halber Würfel)

Zutaten für die Füllung:

  • 100ml Sahne
  • 250ml Milch
  • 3 EL Vanillezucker (ich habe Bourbon-Vanille-Extrakt verwendet)
  • 3 EL Zucker
  • 40gr Speisestärke
  • 1 Handvoll Rosinen (hier: Rumrosinen)

Nun.

Aus den Teigzutaten stellen wir einen Hefeteig her: Milch leicht erwärmen, die Butter und den Zucker hineingeben, dann die Hefe hineinbröseln und gut auflösen. Mehl, Salz und Ei in eine Schüssel geben und mit der Hefemilch gut verkneten. Als ran an die Knethaken und schön laaaaaaaaaaaaaaange kneten. Ihr wisst ja – ruhig ein paar Minuten länger.

Achtung, der Teig ist recht weich und auch ein bisschen klebrig, nicht irritieren lassen.

Mit einem Handtuch abdecken und an einem warmen, gemütlichen Plätzchen 45-60 Minuten gehen lassen.

Danach sieht er dann so aus.

Danach sieht er dann so aus.

In der Zwischenzeit einen Pudding kochen:

Milch und Sahne mischen. Oben sind die Original-Mengen angegeben, ich hatte leider nicht mehr genug Milch und hab das Verhältnis einfach umgedreht. Klappt auch. Hauptsache, 350ml. Die Speisestärke mit ein wenig von der Flüssigkeit glattrühren, den Rest mit Zucker und Vanille aufkochen. Hier lohnt es sich, echte Vanille zu verwenden, der Geschmack ist gigantisch.

In die heiße Flüssigkeit die angerührte Stärke geben und unter kräftigem Rühren erneut aufwallen lassen, dann fünf Minuten köcheln lassen und ein wenig abkühlen lassen. Dabei immer mal wieder umrühren, damit sich keine Haut bildet.

Nun den Teig auf die bemehlte Arbeitsfläche befördern. Bei mir sah das so aus:

Flatsch.

Flatsch.

Hab mich köstlich amüsiert.

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Zu einem Rechteck ausrollen…

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mit dem Pudding bestreichen…

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und mit den Rosinen bestreuen.

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Der Teig ist übrigens sehr weich und zart, ich war anfangs wirklich sehr skeptisch, wie die nächsten Schritte damit bloß klappen sollen, aber die Zweifel waren fehl am Platze: Hat alles hervorragend funktioniert.

Die Teigplatte wird jetzt aufgerollt…

Ihr Name ist Kunigunde.

Ihr Name ist Kunigunde.

Und in Scheiben geschnitten, welche sogleich in eine mit Backpapier ausgelegte Springform (Durchmesser 26cm) gelegt werden.

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Nun heizen wir den Ofen auf 180°C vor, währenddessen können unsere Schnecken noch ein weiteres Mal aufgehen.

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Sie rücken dabei ein wenig näher zusammen.

Nun in den Ofen und etwa 45 Minuten backen. Bei mir waren’s am Ende 50 Minuten.

Abkühlen lassen und aus Puderzucker, Wasser und echter Vanille einen Guss bereiten und über den Kuchen geben.

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Und schon hat man einen Chinois, einen französischen Schneckenkuchen.

Fazit:

Ähhähähähähä. Uui. Uuuuiuiuiuiuiui. Is der gut. Oh mein Gott, ist der GUT!

Im Ernst, der ist schon fast zu gut, sowas darf ich eigentlich gar nicht im Haus haben, meine Bikinifigur ist schon am Packen.

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Als erstmal der Hefeteig: Ganz leichte Hefenote, nicht zu dominant. Wahnsinnig saftig, sogar am dritten Tag nach dem Backen noch. Ich mein, ihr kennt das – normalerweise ist Hefeteig nur gut, solange er noch frisch ist. Sobald er auskühlt, ist Sense mit weich und fluffig und saftig. Nicht so hier. Ziemlich cool.

Sowas kann man damit übrigens auch machen.

Sowas kann man damit übrigens auch machen.

Die Füllung… oops, ich sabber schon wieder. Sahnig, vanillig, cremig, herrlich. Auch von der Menge her schön ausgewogen im Verhältnis zum Teig. Ich hatte noch Rumrosinen übrig, deswegen hab ich die genommen, und jupp – super Idee. Rum und Vanille, eine Verbindung für die Ewigkeit.

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Und der Guss gibt dann nochmal den extra Vanille-Kick, um es mal so auszudrücken. Perfekt.

Ich fasse zusammen: Sahne, Vanille, Rum, dazu eine weicher, saftiger Teig, der auch gerne ein, zwei Tage übersteht, ohne zum drögen Brötchen zu werden. Herz, was willst du mehr? Der Chinois steht und fällt aber mit der Qualität der Zutaten, also nehmt bitte keine billigen chemischen Substitute, sondern gönnt euch den wahren Stoff, ja? Dann bekommt ihr auch einen Kuchen, dem ich ohne mit der Wimper zu zucken fünf von fünf Küchenkatzen verleihe.

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Tja, und was mach ich nun?

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